Hashimoto und Selen


Selen gehört zu den Spurenelementen. Es ist essenziell, das bedeutet: Für unseren Körper ist es lebensnotwendig. Außerdem muss es von außen, nämlich über unsere Ernährung oder Nahrungsergänzung, zugeführt werden. Welche Aufgaben Selen in unserem Körper erfüllt, wie wir Selen effektiv zu uns nehmen können und warum dieses Spurenelement gerade für Hashimoto-Patienten eine besondere Bedeutung hat, sehen wir uns in diesem Blog-Beitrag näher an.

Die Aufgaben von Selen


Das Spurenelement Selen spielt einerseits eine wichtige Rolle für die Schilddrüsenfunktion und somit für alle von Hashimoto Betroffenen – hierauf gehen wir gleich noch näher ein. Andererseits ist es ein entscheidender Faktor für ein gut funktionierendes Immunsystem. Liegt ein Mangel vor, so macht sich das oft durch häufigere Infekte bemerkbar.

Auch bei Entgiftungsvorgängen des Körpers ist Selen beteiligt. Nicht zuletzt ist es ein wichtiger Bestandteil von Enzymen, die antioxidativ und entzündungshemmend wirken. Dank dieser Eigenschaften kann es unseren Körper dabei unterstützen, Krebserkrankungen oder auch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems vorzubeugen.

Außerdem leistet Selen seinen Beitrag zu einer normalen Muskelfunktion und auch eine gewisse ausgleichende Wirkung auf unsere Psyche wird ihm zugeschrieben.

Selen und die Schilddrüse



Wie vieles andere auch hat das Spurenelement Selen eine ganz besondere Bedeutung für von Hashimoto Betroffene. Interessant zu wissen: Die Schilddrüse ist zusammen mit dem Gehirn das selenreichste Organ unseres Körpers. Warum aber ist Selen so wichtig für die Schilddrüse?










Einerseits wirkt es schützend. Bei der Synthese von Schilddrüsenhormonen entsteht als Nebenprodukt nämlich auch Wasserstoffperoxid. Selenhaltige Enzyme sorgen aber dafür, dass dieser schädliche Stoff wieder neutralisiert wird. Hier kommt auch das Zusammenspiel von Selen und Jod zum Tragen. Denn nur,



wenn beide Stoffe ausreichend vorhanden sind, funktioniert dieser Prozess reibungslos.

Das liegt daran, dass bei Jodmangel größere Mengen an Wasserstoffperoxid durch die Hormonsynthese freigesetzt werden.


Andererseits ist Selen ein entscheidender Faktor wenn es darum geht, das Schilddrüsenhormon von seiner Speicherform T4, also Thyroxin, in seine aktive Form T3, das Trijodthyronin, umzuwandeln. Diese Umwandlung geschieht durch das selenhaltige Enzym Dejodase. Liegt ein Selenmangel vor, so kann die bei Hashimoto ohnehin beeinträchtigte Schilddrüse also sehr darunter leiden.

Und nicht zuletzt profitiert eine unter Hashimoto leidende Schilddrüse von den entzündungshemmenden Effekten einer ausreichenden Selenversorgung.




Selenversorgung in Europa


In Europa kann es uns passieren, an einem Selenmangel zu leiden. Dieser betrifft vor allem auch Menschen, die sich eher pflanzenbetont ernähren. Das liegt daran, dass die Böden, die in Europa zum Anbau genutzt werden, relativ arm an Selen sind. Im Vergleich dazu gilt Selen beispielsweise in den USA nicht als potenziell kritischer Nährstoff, da die Böden reich an diesem Spurenelement sind. In afrikanischen oder zentralasiatischen Ländern wiederum, darunter China und viele andere, ist der Selengehalt der Böden sogar noch um ein Vielfaches geringer als in Europa und Mängel sind häufig und ausgeprägt.


Einige Länder, wie beispielsweise Finnland, setzen schon seit Längerem auf die Verwendung von selenhaltigen Düngemitteln, um Selenmängeln bei der Bevölkerung entgegenzuwirken. In Deutschland ist das noch kein Standard.

Bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs ist ein geringer Selengehalt aufgrund der Beschaffenheit unserer Böden nicht zu verzeichnen. Das liegt daran, dass dem Futter der Tiere in der EU Selen zugesetzt wird. Fisch enthält Selen, da die von Fischen verzehrten Algen das Selen zuvor aus dem Wasser aufgenommen haben; Zuchtfische erhalten ihr Selen ebenfalls über das Futter.





Ein Mangel an Selen kann nicht nur dann entstehen, wenn zu wenig davon über die Ernährung aufgenommen wird. Andere häufige Begleiterkrankungen von Hashimoto, wie das Leaky Gut-Syndrom, auf das ich bereits in diesem Beitrag näher eingegangen bin , können die Aufnahme dieses wichtigen Spurenelements beeinträchtigen. Auch so kann es zu einem Mangel kommen – selbst dann, wenn eigentlich ausreichende Mengen über die Nahrung aufgenommen worden sind.



Unser Bedarf an Selen


Etwa bei 70 Mikrogramm für Männer und bei 60 Mikrogramm für Frauen liegt die tägliche Zufuhrempfehlung, um den bereits ausgeglichenen Selenspiegel eines gesunden Menschen aufrecht zu erhalten. Stillende benötigen täglich etwa 75 Mikrogramm Selen. Bei diesen Werten handelt es sich um Schätzwerte, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfohlen werden. Bei Menschen mit Hashimoto wird aus Erfahrung eine tägliche Zufuhrempfehlung, von 200 Mikrogramm gegeben.

Den Selenbedarf effektiv decken

Unser Selenbedarf lässt sich einerseits – wie oben beschrieben – durch tierische Lebensmittel decken. Zu den selenreichsten Produkten tierischen Ursprungs gehören vor allem Innereien wie die Leber. Auch Eier und Fleisch sind Selen-Lieferanten.

Unter den pflanzlichen Lebensmitteln fallen vor allem Paranüsse als besonders selenhaltig auf. Je nach Anbaugebiet kann ihr Selengehalt aber auch stark schwanken. So enthalten einige Paranüsse nur verhältnismäßig wenig Selen, während andere den Tagesbedarf gar weit übertreffen können. Generell sollte der Verzehr von Paranüssen gering gehalten werden, da einerseits eine signifikante Überversorgung mit Selen möglich ist, andererseits da die Nüsse natürliche Radioaktivität in sich speichern.

Schwankungen im Selengehalt können auch andere selenhaltige pflanzliche Nahrungsmittel betreffen. Zu ihnen zählen Cashewkerne, Kokosnüsse, Haferflocken, Reis oder auch Shiitake- und Steinpilze sowie Spargel. Trotz gewisser vorhandener Schwankungen sind diese aber bei weitem nicht so stark ausgeprägt wie bei den Paranüssen, weshalb die genannten Lebensmittel gut in eine selenbewusste Ernährung integriert werden können.